Das neue Schloss Schleißheim (c) Christian Wendt

Von Bach bis Gershwin

Während der Sommermonate darf man sich auf unvergessliche Konzerte mit wunderbarer Atmosphäre auf Schloss Schleißheim freuen.

 

Ob Bach oder Gershwin, Operette, spanische Zarzuela oder große italienische Oper, Wiener     Schrammelmusik oder Beethovens Neunte, Blechbläser oder Streicher, Sänger oder Instrumentalisten: Für jeden Besucher ist etwas dabei in den 16 Konzerten, die von Juli bis Anfang September von verschiedenen Veranstaltern – München Musik, Bavaria Klassik, Kultur­gipfel und Le Nuove Musiche – im Neuen Schloss oder in dem kleinen, aber feinen (Jagd-)Schloss Lustheim am Ende des Parks angeboten werden. In der Pause lässt es sich wie vor Jahrhunderten im Park lustwandeln oder auf einer Bank im milden Licht der untergehenden Sonne Aperol Spritz schlürfen – bis ein Schlossdiener auf dem Fahrrad und mit einer großen Glocke alle wieder zurückscheucht. Wer möchte, kann schon nach einem Radlausflug am Nachmittag im Biergarten am Alten Schloss einkehren und nachts mit der S-Bahn zurück nach München fahren.

Den Auftakt macht dieses Jahr das 2006 gegründete Originalklang Ensemble Orchester 1756 aus Salzburg, das seinen Namen nicht zuletzt nach dem Geburtsjahr Mozarts trägt und den Übergang vom Barock zur Klassik markiert. Unter Leitung von Konstantin Hiller spielt es unter anderem eine Suite aus Händels Wassermusik und Vivaldis Flötenkonzert La Notte. Bereits um 16 Uhr gibt es im kleinen, intimen Schloss Lustheim, das im ersten Stock ebenfalls einen schönen Festsaal en miniature besitzt, auf Instrumenten der Entstehungszeit Klaviertrios unter anderem von Johann Christian Bach und seinem Schüler Johann Samuel Schroeter zu hören. Eines der weiteren Sonntagnachmittagskonzerte bestreitet die in Münchens Alte-Musik-Szene wohlbekannte exzellente Gambistin Friederike Heumann. Ebenfalls mit Händel, aber natürlich mit der Feuerwerksmusik, setzt die Open-Air-Veranstaltung Barock & Fire ihren Höhepunkt. Zuvor sind berühmte Ouvertüren von Gluck und Rossini sowie populäre Opern-Arien und Duette zu erleben. 

Die Münchner Residenz-Solisten sind gleich mit vier Konzerten vertreten. Sie beginnen den ersten Abend mit dem Geniestreich des 17-jährigen Felix Mendelssohn, der Ouvertüre zu Shakespeares A Midsummer Night’s Dream, und enden am vierten, nach Klavierkonzerten von Mozart und Beethoven in einer Fassung von Vinzenz Lachner, mit einer ganzen Suite aus der erst 1842 komponierten, kompletten Sommernachtstraum-Musik. Dazwischen stehen einmal Mozarts Kleine Nachtmusik, Tschaikowskys Streicherserenade und Tänze von Dvorˇák auf dem Programm, das andere Mal Modest Mussorgs­kys Bilder einer Ausstellung in einer Bearbeitung der selbst mitspielenden Cellistin Andrea Polgár für ein Holz­blasinstrument, Streicher und Klavier und George Gershwins Rhapsody in Blue oder Cembalokonzerte von Johann Sebastian Bach und Vivaldis Vier Jahreszeiten. Der exzellente Solist am Flügel ist an den letzten drei Abenden Andreas Skouras. Er ist aus Münchens Musikleben als Tastenspieler nicht wegzudenken – ob an Klavier, Cembalo oder Celesta, ob mit zeitgenössischer oder Alter Musik, ob im Orchester oder solistisch.

Bereits 1990 gegründet, ist das Ensemble Clemente, in der Besetzung Violine, Flöte, Oboe, Kontrabass und Cello ebenfalls eine Konstante im Programm der Schleißheimer Konzerte, wie immer mit ausgesuchter Barockmusik von Telemann, Bach, Vivaldi und anderen zu hören. Ebenfalls in München ansässig ist das Bach-Trompeten­ensemble, das zusammen mit Michael Schölch und barocken Werken für drei Trompeten, Pauken und Orgel den Festsaal beschallen wird.

Aus Österreichs Kapitale kommen alljährlich zwei renommierte Ensembles nach Schleißheim, die Philharmonia Schrammeln mit Alt-Wiener Volksmusik in der Originalbesetzung mit zwei Geigen (der Wiener Philharmoniker), einer hohen G-Klarinette, der sogenannten Knöpferl-Harmonika und Kontragitarre und die Wiener Streichersolisten, elf Mitglieder der berühmten Wiener Philharmoniker. Sie bieten ein gemischtes Programm aus Werken Mozarts, Schuberts und Dvoráks sowie Tanzmusik der Strauß-Familie.

 

Last, but not least gibt es die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven einmal ganz anders – und nicht als Jahres­abschlussfeier: in einer Fassung für Kammerchor und Solisten wie die feine junge Sopranistin Florence ­Losseau von der Theaterakademie oder den nicht minder jungen mexikanischen Bassbariton Jorge Martinez, der freilich schon große Partien seines Fachs wie Wolfram, Don Giovanni und Dapertutto gesungen hat. Ein Flügel ersetzt das große klassische Orchester; weil ihn aber der junge Pianist Boris Kusnezow spielt, der auch beim ARD-Musikwettbewerb immer wieder als Begleiter der Sänger bei unterschiedlichstem Re­pertoire brillant und sensibel ein ganzes Orchester imaginieren kann, dürfte mit ihm diese Fassung ihren ganz eigenen Reiz entfalten können.

Klaus Kalchschmid

 

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Schloss Schleißheim und Lustheim.

2. Juli bis 10. September.

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